Interview mit Hebamme Daniela Prem

11. August 2022

Hebamme Daniel Prem gibt uns einen informativen Einblick in den Beruf einer Hebamme und gibt wertvolle Tipps für frische und werdende Eltern.


Liebe Daniela, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten. Du bist jetzt seit vielen Jahren als Hebamme tätig. Wie sieht Dein Alltag als Hebamme aus? Oder gibt es so etwas in Deinem Beruf gar nicht?

Als Hebamme begleite ich Frauen und Männer beim Elternwerden. Meine Tätigkeit umfasst die Vorbereitung in der Schwangerschaft, die Begleitung der Geburt und Beratung im Wochenbett. Da Geburten unberechenbar sind, ist mein Arbeitstag sehr unregelmäßig. Trotzdem versuche ich mich auf einen gewissen Alltag und eine bestmögliche Routine zu stützen. Dabei biete ich von diversen Kursen – über Hausbesuche bis Beratungsstunden – verschiedenste Leistungen an. 

Wann immer aber eine private Geburtsbegleitung plötzlich nach mir ruft, werden egal ob Tag oder Nacht, unter der Woche oder am Wochenende, alle anderen Termine verschoben und der Alltag umstrukturiert. 

„Das Wohl von Mutter und Neugeborenem liegt mir so stark am Herzen, dass ich manchmal meine eigenen Bedürfnisse vergesse.“

Was gefällt Dir an Deinem Beruf und welche Aspekte gefallen Dir vielleicht nicht so sehr?

Mir gefällt an meinem Beruf insbesondere, dass der Fokus stets auf optimaler Gesundheit für die ganze Familie gerichtet ist. Es geht aus Sicht der Hebamme nicht, wie sonst in der Medizin, darum Krankheiten zu bekämpfen. Vielmehr steht im Fokus, einen gesunden, natürlichen (Geburts-) Prozess zu ermöglichen und dabei den Betroffenen einen sicheren, geschützen Rahmen zu bieten. Ich denke in meinem Beruf sind viele gesellschaftspolitische Themen im Vordergrund. Von Frauenrechten, wechselnden Rollenbildern innerhalb moderner Familien bis hin zur idealen Gesundheitsförderung durch das Stillen und sogar Umweltschutz mittels Mehrwegwindeln bzw. weniger Verschwendung von Ressourcen. 

Im Gegensatz dazu gefällt mir nicht so sehr, dass der Beruf viel Flexibilität erfordert und dabei das eigene Leben oft zu kurz kommt. Das Wohl von Mutter und Neugeborenem liegt mir so stark am Herzen, dass ich manchmal meine eigenen Bedürfnisse vergesse. Häufig muss ich als Hebamme in der Nacht stundenlang eine Geburt ideal betreuen ohne Qualitätsverlust der Betreuung durch meine Müdigkeit. Das kann sehr herausfordernd sein. 

Wenn aber das Wunder Leben passiert und ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt weiß ich, dass für mich die Sonnenseiten des Berufs überwiegen. 

Was war die bisher schönste Erfahrung, die Du als Hebamme machen durftest?

In meinen Augen ist jede Geburt einzigartig und es ist stets schön eine Frau beim Mutterwerden zu begleiten. Ganz besonders bleibt mir aber die Erinnerung, meine große Schwester bei einer Hausgeburt begleitet zu haben. Meine Schwester voller Stolz zu beobachten, wie sie die Herausforderung Geburt mutig und stark meistert und meinen Neffen in seinen ersten Lebensminuten begrüßen zu dürfen, werde ich niemals vergessen. 

„Die meisten Familien kaufen Kleidung und andere Dinge in Haufen. Wobei meistens zu viel da ist, denn was Neugeborene wirklich brauchen ist Liebe, Wärme und Nähe.“

Hast Du besondere Tipps zur Geburt und zur ersten Zeit als Familie?

Bei einem positiven Schwangerschaftstest ist jede Frau in einer anderen Situation. Manche warten auf dieses Erlebnis schon lange, für andere kommt es überraschend. In welcher Lebenssituation sich die werdende Familie auch befindet, Beratung und Information ist essenziell. Der Weg zum*zur Gynäkolog*in ist meistens der erste Schritt, der getan wird. Ich denke eine medizinische Beratung und Überwachung ist wichtig. Zugleich gebe ich allen Schwangeren den Tipp sich ihre Hebamme zeitnah zu suchen. So kann eine vielseitige Information und eine umfassende Betreuung stattfinden. 

Die Vorbereitung in der Schwangerschaft ist ausschlaggebend für die Zeit als frische Familie. Dabei würde ich mir wünschen, dass die Vorbereitung auf Familienzuwachs nicht mehr so materialistisch geleitet ist. Die meisten Familien kaufen Kleidung und andere Dinge in Haufen. Wobei meistens zu viel da ist, denn was Neugeborene wirklich brauchen ist Liebe, Wärme und Nähe. Alle anderen materiellen Dinge sind für Babys nicht von großer Bedeutung. Daher gebe ich allen den Tipp diverse Kurse zu nutzen, sich reichlich Information einzuholen und mit anderen werdenden Eltern auszutauschen, wie das Leben in den ersten Tagen und Wochen mit Neugeborenem aussehen kann. Dann werden junge Familien die Herausforderung und Veränderung durch das Elterndasein gut meistern.  

Mit welchen Fragen oder Unsicherheiten kommen frische oder werdende Eltern besonders häufig auf Dich zu?

Da sich werdende oder frische Eltern in so unterschiedlichen Situationen und Lebenslagen befinden, treffe ich auf verschiedene Fragen und Beratungswünsche. Schließlich haben Zwillingseltern anderen Informationsbedarf als Frühcheneltern. Genauso hat ein Elternpaar, das eine Hausgeburt plant vermutlich andere Anliegen als ein Paar, das durch einen geplanten Kaiserschnitt ihr Baby auf unserer Welt begrüßt. 

Trotzdem spreche ich als Hebamme gewisse Themen mit jedem Paar an. Darunter die Aufgaben als Hebamme, Besonderheiten einer Schwangerschaft, ihre Möglichkeiten unter der Geburt (Mitspracherecht, ambulante Geburt, anonyme Geburt usw.), Stillen und Ernährung des Kindes, Gesundheit der Mutter und des Neugeborenen, Schlaf, Verhütung sowie Rückbildung nach der Geburt. 

Wann sollte man sich um eine Hebamme kümmern?

So früh wie möglich, insbesondere wenn man aus Kostengründen eine Kassenhebamme sucht. Denn Anfragen sind zahlreich und Termine meist kurzfristig nicht möglich. So haben alle Elternteile genügend Zeit die Hebamme zu finden, die optimal zu dem Paar passt. 

„Eine Hebamme soll die Wege, die es durch den Dschungel des Elterndaseins gibt, aufzeigen und erklären, welcher Weg Vor- und Nachteile hat, sodass Eltern selbstbestimmt entscheiden und ihrem Umfeld sowie ungefragten Tipps gestärkt begegnen können.“ 

Worauf sollte man bei der Wahl einer Hebamme achten?

Ich denke die zwischenmenschliche Beziehung, das Bauchgefühl muss einfach passen. Die Hebamme soll nie einen gewissen Weg vorschreiben, niemanden dazu drängen auf eine bestimmte Art zu gebären. Sie sollte offen sein und Paare neutral beraten, welche Optionen sie haben. Eine der Hauptaufgaben als Hebamme ist es werdende Eltern zu beraten, welche Vorgehensweise (egal, ob unter der Geburt oder der Umgang mit dem Neugeborenen von Tragen über Wickeln bis hin zum Stillen) aus wissenschaftlicher Sicht gesehen ideal für das Baby ist.

Eine Hebamme soll die Wege, die es durch den Dschungel des Elterndaseins gibt, aufzeigen und erklären, welcher Weg Vor- und Nachteile hat, sodass Eltern selbstbestimmt entscheiden und ihrem Umfeld sowie ungefragten Tipps gestärkt begegnen können. 

Was möchtest Du werdenden Eltern noch mit auf den Weg geben?

Elternwerden ist eine ganz besondere Zeit, eine Ausnahmesituation, die mit Wandel und Veränderung einhergeht. In unserer Gesellschaft neigen wir dazu nicht konstruktiv über die Herausforderungen zu sprechen. Werdende Eltern sollen sich davon nicht unterkriegen lassen. Emotionen, Überforderung, viele Fragezeichen gehören dazu, denn nur so kann man lernen und als Elternteil wachsen. Solange auf die Intuition gehört, das Mama-/ Papagefühl beachtet wird, werden Jungeltern alles richtig machen.

Es ist wichtig reichlich in Verbindung und Kommunikation bereits mit dem Ungeborenen zu treten. Wenn Mama und Papa ihrem Kind von Anfang an auf Augenhöhe begegnen, sind die Bedürfnisse des Neugeborenes hörbar und die Bezugspersonen können genau richtig darauf reagieren. 

Liebe Daniela, vielen herzlichen Dank für die interessanten und hilfreichen Einblicke.


Zur Person

Daniela Prem xxxx

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